TeleKasper: Innovatives Modell zur Diagnostik und Therapie von Infektionen bei Kindern soll in Regelversorgung überführt werden

Prof. Dr. Arne Simon mit der TeleKasper-App am Smartphone und am PC
Prof. Dr. Arne Simon mit der TeleKasper-App am Smartphone und am PC

Nach einer Empfehlung des Gemeinsamen Bundesauschusses bekräftigt das saarländische Gesundheitsministerium die Absicht, die vernetzte pädiatrisch-infektiologische Versorgung dauerhaft zu etablieren und weiterzuentwickeln.

Im Bereich der stationären Kinder- und Jugendmedizin gibt es nur selten Spezialistinnen und Spezialisten für Infektionskrankheiten und sogenannte Antibiotic Stewardship (ABS) Teams. Zur Verbesserung der Versorgung wurde 2022 das Projekt TeleKasper vom Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) und drei weiteren Unikliniken ins Leben gerufen. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat es vor Kurzem positiv bewertet und die Empfehlung ausgesprochen, erfolgreiche Projektbestandteile in die Regelversorgung zu überführen. Das saarländische Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit (MASFG) freut sich über diese Empfehlung und bekräftigt die Absicht, die vernetzte pädiatrisch-infektiologische Versorgung dauerhaft zu etablieren und weiterzuentwickeln.

 

Zentrales Werkzeug des „Telemedizinischen Kompetenznetzwerks Antibiotic Stewardship in Pediatrics“ ist die TeleKasper-App, ein fortlaufend aktualisiertes Online-Nachschlagewerk für Kinder- und Jugendärzte zur Diagnostik und Therapie von Infektionen. Zusätzlich ermöglicht die App den Austausch zwischen Kliniken und dem regionalen ABS-Team. Neben Fragen zur Diagnostik und Therapie gibt es – nach Zustimmung der Sorgeberechtigten – die Möglichkeit zu telemedizinischen Fallbesprechungen. So gelangt infektiologisches Spezialwissen in Form einer konkreten Beratung zeitnah zu den jungen Patientinnen und Patienten. 

 

Aufgebaute Expertise für das gesamte Saarland erhalten

„Das Projekt TeleKasper zeigt, wie Digitalisierung und medizinische Vernetzung einen konkreten Nutzen für Kinder und Jugendliche schaffen können. Uns ist es wichtig, die am UKS aufgebaute Expertise zu erhalten – für das gesamte Saarland. Daher haben wir das Projekt auch in einer Übergangsphase nachhaltig unterstützt. Die nun erfolgte, positive Bewertung durch den gemeinsamen Bundesausschuss bestätigt uns in dieser Strategie. Ich werde mich in der Gesundheitsministerkonferenz der Bundesländer dafür einsetzen, dass wichtige Bestandteile des Projekts in die Regelversorgung überführt werden“, erklärt Dr. Magnus Jung, Minister Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit im Saarland. 

 

Neben den Universitätskliniken Halle, Essen und München ist das UKS in Homburg über das Team von Prof. Dr. Arne Simon aus der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie maßgeblich am Projekt TeleKasper beteiligt. Prof. Simon erklärt: „Mit TeleKasper ist es gelungen, hochspezialisiertes Wissen direkt zu den behandelnden Teams und damit zu den Kindern und Jugendlichen zu bringen. Die wissenschaftliche Evaluation zeigt, dass die Unterstützung durch ein kinderinfektiologisches Referenzzentrum zu einem gezielteren Einsatz von Antibiotika beitragen kann.“ Tatsächlich hat die wissenschaftliche Auswertung ergeben, dass die Menge an verordneten Antibiotika um 7 % reduziert werden konnte, wenn regionale Krankenhäuser mit pädiatrischen Kliniken im Rahmen des telemedizinischen Netzwerks bei der Auswahl der richtigen Antibiotikatherapie unterstützt werden. Die regionalen Partner des UKS sind das Klinikum Saarbrücken, das Marienhausklinikum St. Elisabeth Saarlouis, das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier, das Städtisches Krankenhaus Pirmasens, das Westpfalzklinikum Kaiserslautern und das Marienhausklinikum St. Josef Kohlhof in Neunkirchen.

 

Prof. Dr. Dr. Stephanie Tritt, Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende des UKS, würdigt diese Verbindung von universitärer Spitzenmedizin und regionaler Vernetzung: „TeleKasper zeigt beispielhaft, wie universitätsmedizinische Expertise über den eigenen Standort hinaus wirksam werden kann. Die Verbindung von wissenschaftlicher Evidenz, digitaler Medizin und regionaler Vernetzung ist ein zukunftsweisender Ansatz. Als einzige Universitätsmedizin des Landes etablieren wir starke Partnerschaften und vernetzte Strukturen über Standort- und Sektorengrenzen hinweg, um gemeinsam Behandlungswege so zu organisieren, dass Menschen rechtzeitig die benötigte Expertise erhalten und von der Diagnostik bis zur Nachsorge verlässlich versorgt werden.“

 

Direktförderung des Ministeriums ermöglichte Weiterführung des Netzwerkes

Eine besondere Rolle für die nachhaltige Entwicklung des Projektes spielte die Unterstützung durch das saarländische Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit. In der Zeit zwischen dem Ende der Projektförderung und dem Vorliegen der abschließenden Evaluation stellte es unbürokratisch eine Direktförderung für eine Facharztstelle zur Verfügung und ermöglichte damit, die aufgebauten Strukturen und die spezialisierte Expertise am UKS zu erhalten. Prof. Simon hebt diese Unterstützung ausdrücklich hervor: „Für diese unbürokratische Brückenfinanzierung sind wir dem saarländischen Gesundheitsministerium außerordentlich dankbar. Ohne diese Unterstützung hätte die Gefahr bestanden, dass mühsam aufgebaute Strukturen und Expertise verloren gehen. Die Förderung hat es uns ermöglicht, die kinderinfektiologische Versorgung und das Netzwerk kontinuierlich weiterzuführen. Dass das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen unser Projekt nun positiv bewertet und eine Übernahme in die Regelversorgung empfiehlt, bestätigt unseren Weg und freut uns außerordentlich.“