Die höchste Förderung mit einer Summe von 120.000 Euro erhält ein Forschungsprojekt der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventive Zahnheilkunde (Leitung: Prof. Dr. Matthias Hannig) des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS). Das von Oberärztin PD Dr. Madline Gund beantragte Forschungsprojekt beschäftigt sich mit den Auswirkungen von GLP-1-Rezeptor-Agonisten zur Gewichtsreduktion (Medikamenten wie Ozempic, Wegovy u.a.) auf die Mund- und Zahngesundheit.
Allein in den USA dürfte die Zahl der Menschen, die eine Therapie mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten (gegen Typ-2-Diabetes oder Adipositas) erhalten, bis 2030 auf 30 Millionen ansteigen. Auch in Deutschland wird in den kommenden Jahren eine stark steigende Nachfrage nach Medikamenten wie Ozempic, Wegovy (Semaglutid), Mounjaro, Zepbound (Tirzepatid), Trulicity (Dulaglutid) sowie Victoza und Saxenda (Liraglutid) erwartet. Unter dem Begriff „Ozempic-Zahn“ gab es in (Fach-)Medien bereits erste Berichte über neu auftretende Zahnprobleme, die mit GLP-1-Medikamenten zur Gewichtsreduktion in Verbindung gebracht werden. Zu den Symptomen zählen Mundtrockenheit, Zahnschmelzerosion und rasch fortschreitende Karies.
„Auch in unserer Klinik haben wir diese Zahnprobleme bereits bei Patientinnen und Patienten unter Therapie mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten beobachtet“, erklärt Oberärztin PD Dr. Madline Gund. „Diese Nebenwirkungen sind wahrscheinlich auf indirekte Folgen wie Dehydrierung, Appetitunterdrückung und daraus resultierende Nährstoffmängel, etwa an Kalzium oder Vitamin D, sowie die Einwirkung von Magensäure zurückzuführen. Ziel unseres Forschungsprojektes ist es, diese Probleme systematisch zu dokumentieren und ihre Ursachen zu erforschen.“ Untersucht werden Patienten über einen Zeitraum von zwei Jahren, um eine Verlaufskontrolle zu ermöglichen. Supervisor der Studie ist Prof. Dr. Matthias Hannig, Nebenantragstellerin Dr. Daniella Pilon Muknickas und Kooperationspartner die Klinik für Gastroenterologie mit Direktor Prof. Dr. Jörn Schattenberg und Funktionsoberärztin Dr. Silva Yusefpur.
„Die diesjährigen Projekte spiegeln die Vielfalt und wissenschaftliche Qualität der heutigen zahnmedizinischen Forschung wider“, sagte Joel Eklund, Vorstandsvorsitzender der Eklund Foundation, im Rahmen der Bekanntgabe der diesjährigen Stipendien. „Jedes Projekt widmet sich einer wichtigen klinischen Fragestellung, die das Potenzial hat, neues Wissen für die zahnmedizinische Fachwelt zu liefern und letztlich die Patientenversorgung zu verbessern.“
Mit Blick auf das von PD Dr. Madline Gund beantragte Forschungsprojekt kam die Jury zu folgendem Urteil: „Das Forschungsprojekt befasst sich mit einem weltweit relevanten Thema der öffentlichen Gesundheit, da eine beträchtliche und wachsende Zahl von Menschen mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten behandelt wird. Bislang liegen keine systematischen Untersuchungen zu deren Auswirkungen auf Zähne und Mundschleimhaut vor, obwohl sich daraus potenzielle Konsequenzen für eine große Patientengruppe ergeben könnten. Dank eines fundierten und verallgemeinerbaren Studiendesigns kann das Projekt einen direkten klinischen Mehrwert bieten, als Grundlage für künftige Behandlungsleitlinien dienen und maßgeblich zur Verbesserung der Mundgesundheit in breitem Umfang beitragen.“
Die schwedische Unternehmerfamilie Eklund, Eigentümerin von TePe Oral Hygiene Products, gründete die Eklund Foundation, um ihre langjährige Verbundenheit mit der zahnmedizinischen Fachwelt zu würdigen. Seit 2016 vergibt die Stiftung jährlich Fördermittel in Höhe von bis zu 275.000 Euro zur Unterstützung der weltweiten zahnmedizinischen Forschung. Weitere Informationen zu früheren Förderempfängern und deren Studien finden sich unter www.eklundfoundation.org.


