Gesunde Bereiche des Gehirns besser schützen: Kliniken für Strahlentherapie und Neuroradiologie an interregionalem Forschungsprojekt zur Hochpräzisionsbestrahlung von Hirnmetastasen beteiligt – EU-Förderung von mehr als 1,1 Mio. Euro

Gruppenfoto vom Symposium
Christian Schütz/ UKS Staatssekretärin Bettina Altesleben zusammen mit v.l.n.r. Prof. Dr. Wolfgang Reith, Prof. Dr. Robert Ernst, Prof. Dr. Matthias Hannig, Dr. Paul Retif und Prof. Dr. Markus Hecht

Die Kliniken für Strahlentherapie und Neuroradiologie des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) forschen an der Verbesserung der Hochpräzisionsbestrahlung von Hirnmetastasen. An der grenzüberschreitenden Forschungsinitiative sind neben den beiden Homburger Kliniken weitere Partner in Luxemburg, Frankreich und Belgien beteiligt. Für das internationale Projekt hat der Verbund nun eine hochrangige Förderung der Europäischen Union in Höhe von rund 1,1 Mio. Euro erhalten. Und auch das Saarland fördert das Vorhaben mit rund 92.000 Euro.

Für ein Treffen des Forschungskonsortiums zum Projekt PROTECT-DTI waren Expertinnen und Experten aus der Großregion ans Universitätsklinikum des Saarlandes gekommen. Es war die erste Zusammenkunft nach einer Förderzusage, über die sich der Verbund freuen konnte: Interreg, ein Regionalprogramm der Europäischen Union zur Förderung von grenzübergreifender Zusammenarbeit, unterstützt die Initiative mit 1.122.515 Euro. „Wir freuen uns sehr, dass unser internationales Forschungsprojekt gefördert wird“, so Prof. Dr. Markus Hecht, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am UKS. Denn Forschungsarbeit ist auch ein wesentliches Ziel des zertifizierten Universitätsmedizinischen Zentrums für Tumorerkrankungen des Saarlandes (UTS) am Homburger Klinikum. „Mit dem UTS verpflichten wir uns nicht nur der interdisziplinären Krebsbehandlung auf höchstem Niveau. Ebenso wollen wir zu einer kontinuierlichen Verbesserung beitragen und wissenschaftlich-basierte Therapieverfahren etablieren“, so Prof. Hecht.

Zusammen mit seinem Klinikteam hatte er das Treffen des interregionalen Konsortiums im Saarland organisiert. Daran nahmen Expertinnen und Experten der insgesamt acht beteiligten Partner teil. So vom Regionalen Krankenhausverbund Metz-Thionville (CHR Metz-Thionville), unter dessen Leitung das Forschungsprojekt steht, sowie von weiteren Projektpartnern aus Luxemburg, Belgien und Frankreich. Staatssekretärin Bettina Altesleben überbrachte die Grußworte des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit, das das Forschungsprojekt zur Optimierung der Patientenversorgung ebenfalls mit rund 92.000 Euro fördert. „Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Großregion dazu beiträgt, medizinische Innovation voranzubringen. Mit der EU-Förderung wird eine Forschung ermöglicht, die darauf abzielt, die Behandlung von Hirnmetastasen noch präziser und schonender zu gestalten und dabei insbesondere gesunde Hirnstrukturen besser zu schützen. Das kommt nicht nur den Patientinnen und Patienten in unserer Region zu Gute, sondern hat einen Nutzen weit darüber hinaus “, so Altesleben.

„Wir forschen gemeinsam daran, die Hochpräzisionsbestrahlung von Hirnmetastasen weiter zu verbessern“, erklärt Prof. Hecht das Ziel des Konsortiums. Metastasen sind Tochtergeschwulste eines Haupttumors, die sich in anderen Bereichen des Körpers ansiedeln. Sie finden sich sehr oft in Lunge, Leber, Knochen und eben auch im Gehirn. „Mit der modernen Strahlentherapie können wir diese bösartigen Absiedlungen im Gehirn gut behandeln. Dabei werden die Metastasen sehr präzise bestrahlt, die umliegenden gesunden Strukturen sollen so weit wie möglich geschützt werden.“ Zwar wird bei der Therapie bereits darauf geachtet, andere Bereiche des Gehirns auszusparen, doch die Medizin steht hier auch vor Herausforderungen. Denn große Teile der funktionell wichtigen Strukturen bleibt in der üblichen Planung unsichtbar. Darunter die sogenannte weiße Substanz, die überwiegend aus Nervenbahnen besteht und vor allem als zentrales Kommunikationsnetzwerk dient, über das die Signale schnell übertragen werden können. Die komplexen Faserbahnen der weißen Substanz bilden die Grundlage für Kognition und Funktion.

Der Ansatz ist nun, diese Strukturen für die Bestrahlungsplanung sichtbar zu machen und gezielt schonen zu können. „Es gibt bereits ein spezielles bildgebendes Verfahren, die sogenannte Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI). Mit dieser Technik können wir diese komplexen Faserbahnen dreidimensional darstellen“, so Prof. Dr. Wolfang Reith, Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie. Doch diese Bildgebung in der Bestrahlungsplanung zu nutzen ist komplex. „Eine wesentliche Herausforderung im Projekt ist, dass wir die Daten aus dem DTI harmonisieren müssen. Das heißt, die Datenprotokolle müssen vereinheitlicht werden, so dass sie in die Bestrahlungsplanung übertragen werden können und wir alle auf dieser gleichen Grundlage arbeiten.“ Wenn dies erreicht ist, wird eine klinische Studie zu der neuen Vorgehensweise durchgeführt. Damit soll diese neue Vorgehensweise auch bei betroffenen Patientinnen und Patienten ankommen. Zudem werden auch die Veränderungen solcher komplexeren Faserbahnen nach erfolgter Strahlentherapie untersucht. Und schließlich zielt das Projekt darauf ab, die gewonnenen Erkenntnisse zu etablieren und zu verbreiten. „Es ist uns ein großes Anliegen, dass unsere Erkenntnisse auch anderen Kliniken zur Verfügung stehen. Wir möchten die Bestrahlung von Hirnmetastasen nicht nur in der Großregion verbessern, sondern ebenso darüber hinaus.“

Mit dem Forschungsprojekt, das zum Jahresanfang gestartet ist und bis Ende 2028 läuft, hat sich das Konsortium ein wichtiges Ziel gesetzt. Es könnte dazu führen, dass die Bestrahlung von Metastasen im Gehirn zukünftig noch schonender für umliegende Hirnstrukturen möglich wird. Die Expertinnen und Experten aus Homburg und den Zentren in Frankreich, Luxemburg und Belgien könnten somit zu einem wichtigen medizinischen Fortschritt beitragen.

Kontakt
Prof. Dr. Markus Hecht
Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie 
Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS)
Gebäude 6.5
66421 Homburg/ Saar
E-Mail: radioonkologie☞ Bitte fügen Sie an dieser Stelle ein @ ein ☜uks☞ Bitte fügen Sie an dieser Stelle einen Punkt ein ☜eu
Tel. 0 68 41 / 16 - 2 48 38
www.uks.eu/strahlentherapie

Prof. Dr. Wolfgang Reith
Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Gebäude 90
66421 Homburg/ Saar
Tel. 0 68 41 / 16 - 2 43 02
www.uks.eu/neuroradiologie