Es ist wissenschaftlich belegt: Menschen mit Krebserkrankungen erhalten in zertifizierten Zentren die beste Behandlung. Ihre Prognosen sind besser und es treten weniger Komplikationen auf. Ein wichtiger Baustein für onkologische Spitzenmedizin ist dabei die vernetzte Arbeit. Diesen Ansatz verfolgt das Universitätsmedizinische Zentrum für Tumorerkrankungen des Saarlandes (UTS) seit seiner Gründung und die Kooperationen werden kontinuierlich ausgebaut. So aktuell auch in Zusammenarbeit mit dem Universitären Centrum für Tumorerkrankungen Mainz (UCT Mainz). Beide Kliniken sind auf dem Weg zum gemeinsamen onkologischen Spitzenzentrum und trafen sich heute erneut im Saarland. Anschließend gab es einen Austausch zu aktuellen Entwicklungen der Krebsmedizin, die kürzlich europaweit auf einem Fachkongress in Madrid präsentiert wurden.
Das Homburger Tumorzentrum ist das größte nach den Richtlinien der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Onkologische Zentrum im Saarland. Mit 14 Organkrebszentren und Modulen bündelt es die Expertise zahlreicher Fachdisziplinen. Gemeinsam wird besprochen, welcher Behandlungsansatz für den erkrankten Menschen am besten geeignet ist. Die onkologische Fachpflege versorgt die Patientinnen und Patienten pflegerisch, bei Bedarf stehen palliativmedizinische und psychoonkologische Angebote bereit. Und über die Teilnahme an Studien stehen den Erkrankten auch ganz neue Therapieoptionen offen. Dabei trägt das UTS die universitätsmedizinische Spitzenkompetenz gemeinsam mit den regionalen Partnern in die Fläche. Dazu gehören gemeinsame Präventionskampagnen, interdisziplinäre Fortbildungsangebote sowie der verbesserte Zugang zu klinischen Studien. Und auch die sogenannten molekularen Tumorboards sind ein wichtiger Ansatz. In diesen Fachbesprechungen steht die molekularer Diagnostik im Mittelpunkt, auf dieser Basis werden personalisierte Therapieempfehlungen für Krebspatientinnen und Krebspatienten entwickelt.
„Wir wollen onkologische Spitzenmedizin für alle Patientinnen und Patienten in unserer Region zugänglich machen“, betont UTS-Sprecher Prof. Dr. Erich-Franz Solomayer. „Dafür müssen wir die universitätsmedizinische Expertise mit den Kompetenzen unserer regionalen Partner verbinden. Ein wichtiger Baustein dabei ist die enge Zusammenarbeit mit dem UCT Mainz.“ Gemeinsam möchten die beiden Zentren aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland den nächsten Meilenstein der Zertifizierung erreichen: Das „Comprehensive Cancer Center“ (CCC). In diesen onkologischen Spitzenzentren mit der höchsten Zertifizierungsstufe erhalten Erkrankte nicht nur die optimale Versorgung. Eine Besonderheit sind u.a. auch umfangreiche Forschungsarbeit und eine strukturierte Ausbildung, die für eine kontinuierliche Verbesserung von Diagnostik und Therapie sorgen.
Auch Prof. Dr. Thomas Kindler, Leiter des UCT Mainz, sieht den Austausch mit dem Universitätsklinikum des Saarlandes als gewinnbringend: „Im Sinne des Patientenwohls sind Kooperationen eine große Chance. Das gilt speziell auch für unsere Pläne eines gemeinsamen CCCs, das die Versorgung von Menschen mit Krebserkrankungen an beiden Standorten mit ihren großen Einzugsgebieten noch weiter verbessern würde. Nicht zuletzt wäre ein bundeslandübergreifendes CCC zudem das erste seiner Art in ganz Deutschland.“
Wissenschaftlicher Austausch und Wissenstransfer
Im Anschluss an den Austausch der beiden universitären Tumorzentren folgte eine separate Veranstaltung, bei der es um brandaktuelle wissenschaftliche Entwicklungen ging. Ende Oktober fand in der spanischen Hauptstadt Madrid der ESMO-Kongress statt, bei dem Krebsforscherinnen und -forscher aus ganz Europa neueste Erkenntnisse und Forschungsergebnisse vorstellen. In Homburg wurden Highlights dieses Kongresses vorgestellt und diskutiert. Es gab Vorträge zu Uro-, Thorax-, gastrointestinaler und gynäkologischer Onkologie sowie zu personalisierter Krebsmedizin. Auch aktuelle Entwicklungen bei zelluläre Therapien wurden vorgestellt, ihre Bedeutung für die klinische Praxis diskutiert. Ergänzt wurde das Programm durch Diskussionsrunden mit ärztlichen Vertreterinnen und Vertretern aus Praxen und Kliniken in Pirmasens, Lebach, Trier, Saarbrücken und St. Wendel. Im Sinne der gemeinsamen Bemühungen wurde die Fachveranstaltung gemeinschaftlich von Prof. Dr. Thomas Kindler und Prof. Dr. Erich-Franz Solomayer moderiert.
Auch der Vorstand des Universitätsklinikums des Saarlandes konnte eine sehr positive Bilanz ziehen. Prof. Dr. Dr. Stephanie Tritt, Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Direktorin des UKS betonte: „Eine hoch spezialisierte Versorgung von Tumorpatientinnen und -patienten profitiert erheblich vom Zusammenspiel aus universitärer Forschung, klinischer Expertise und regionaler Vernetzung. Ob Prävention, qualifizierte Fortbildung, innovative Diagnostik, Zugang zu klinischen Studien oder interdisziplinäre Therapieentscheidungen – maßgeblich ist, dass Patientinnen und Patienten dank dieser Zusammenarbeit bestmöglich versorgt werden. Diese Vernetzung bauen wir mit unseren Partnern in der Region und darüber hinaus konsequent weiter aus. Gemeinsam mit der Mainzer Universitätsmedizin wollen wir dabei den nächsten Schritt gehen und onkologische Spitzenmedizin noch enger mit der regionalen Versorgung verbinden, auch über Landesgrenzen hinweg“. Der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes und UKS-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Matthias Hannig hob hervor, wie wichtig Forschung und Wissenstransfer sind: „Als Universitätsklinik sind das zwei wichtige Säulen für uns. Forschung ist zentral für die Weiterentwicklung. Denn nur über Forschung schaffen wir neue Erkenntnisse und Ansätze, die schließlich die Krebsmedizin der Zukunft bestimmen. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist dann auch der Wissenstransfer. Egal ob bei der Lehre für die Studierenden, bei der fachärztlichen Ausbildung oder auch beim Austausch von Spezialwissen auf Expertenebene – es ist nicht nur wichtig, dass wir neues Wissen generieren, dieses Wissen muss auch weitergetragen werden. Alles das letztendlich zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten.“
