Das Childhood-Haus ist eine ambulante Einrichtung für Kinder und Jugendliche aus dem Saarland, die Opfer von sexualisierter oder körperlicher Gewalt geworden sind oder bei denen ein solcher Verdacht besteht. Um die Betroffenen optimal zu versorgen und die Klärungsprozesse altersgerecht und traumasensibel zu gestalten, arbeiten die verschiedenen Professionen – Medizin, Psychologie, Jugendhilfe, Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz – interdisziplinär unter einem Dach zusammen. Die Kinder und Jugendlichen werden in einem geschützten Rahmen von speziell geschultem Fachpersonal untersucht, befragt und beraten. „Seit dem Start waren bereits über 100 Kinder zur Untersuchung und Behandlung bei uns, etwa zwei Drittel davon Mädchen und ein Drittel Jungen. Unser Team aus Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen, Rechtsmedizinerinnen, Kindergynäkologinnen und Kinderpsychiater-innen stellte dabei zwei Altersgipfel fest, einen im Vorschulalter und einen in der Pubertät“, erklärt Prof. Dr. Eva Möhler.
Die Polizei des Saarlandes nutzt das Childhood-Haus auch nachts für Befragungen von z.B. minderjährigen Vergewaltigungsopfern, da die kindgerechte, ruhige und traumasensible Umgebung einen unbelasteteren Befragungsablauf ermöglicht und zudem die medizinische Untersuchung auch in den geschützten Räumen jederzeit stattfinden kann, so dass den kindlichen oder jugendlichen Opfern multiple Anlaufstellen erspart bleiben und das Risiko von Sekundärtraumatisierungen sinkt. Zuweiser sind Kinderärzte, Jugendhilfeeinrichtungen, Lehrpersonen, Eltern und auch Opferschutzorganisationen wie der Weiße Ring, Nele oder Phönix, mit denen eine enge Zusammenarbeit besteht.
Dank an den Lions Club Homburg für eine Spende zum Jahrestag
Getragen und finanziell unterstützt wird das Projekt von Beginn an durch die World Childhood Foundation, die Genossenschaft Rheinland-Pfalz-Saar des Johanniterordens und das saarländische Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit. „Aber auch Spenden von Privatpersonen und anderen Organisationen helfen uns und unterstützen unsere Arbeit sehr“, sagt Prof. Dr. Eva Möhler. „Im Namen aller Kinder und des gesamten Teams möchte ich mich heute herzlich beim Lions Club Homburg für die Spende von 1000 Euro bedanken, und insbesondere auch bei seinem Präsidenten Dr. Dominik Schöne, der unsere Arbeit auch bereits mit Zuwendungen aus privaten Mitteln unterstützt hat.“
Bildungsministerin und Gesundheitsminister informierten sich vor Ort
Ende des vergangenen Jahres, anlässlich des internationalen Tages der Kinderrechte, war bereits Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot zu Gast am UKS gewesen, um sich über die Arbeit der Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie zu informieren. Schwerpunkt des Austausches war das Kinderschutzkonzept des UKS. Beachtung fand aber auch die Arbeit der Klinik-Schule, die gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Klinik für Kinder und Jugend-psychiatrie ein deutschlandweit einzigartiges Projekt entwickelt hat: Das Haus-Unterrichtszentrum (HUZ) ist ein niedrigschwelliges Unterrichtsangebot für Kinder und Jugendliche, die aus verschiedenen emotionalen Gründen nicht in Regelschulen unterrichtet werden können.
Am selben Tag wie die Kabinettskollegin besuchte auch Dr. Magnus Jung, Minister für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit, die Kinderpsychiatrie des UKS, um sich über die Arbeit im Childhood-Haus zu informieren und sich mit dem dortigen Team auszutauschen. Er hat den Aufbau maßgeblich unterstützt, sein Ministerium trägt die Personalkosten. In Hinblick auf die gerade bekannt gewordenen Pläne für ein erstes Childhood-Haus im benachbarten Rheinland-Pfalz betonte er: „Ich freue mich sehr darüber, dass es uns gemeinsam gelungen ist, mit der Einrichtung des Childhood-Hauses auf dem UKS-Campus eine nach international anerkannten Standards zertifizierte Anlaufstelle für von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche zu schaffen, die durchaus Modellcharakter für entsprechende Pläne in anderen Bundesländern hat. Die hier etablierte Zusammenarbeit von Polizei und Justizbehörden mit Ärzten und Psychologen ist vorbildlich. Sie stellt die Bedürfnisse der betroffenen Kinder und Jugendlichen konsequent in den Mittelpunkt und trägt zugleich dazu bei, Unrecht aufzudecken und erlittene Gewalterfahrungen besser zu verarbeiten. Anlässlich des ersten Jahrestages möchte ich allen Beteiligten ausdrücklich für Ihr Engagement danken.“



