Calogero-Pagliarello-Preise verliehen

Die Preisträger des Calogero-Pagliarello-Preises mit Dekan Prof. Hannig
© Paula Lantrebecq / UKS Bei der Preisverleihung: (v.l.) Dr. med. Lukas Brust, PD Dr. rer. nat. Yuan Gu, Dekan Prof. Dr. Matthias Hannig, Dr. med. Colya Englisch.

Auszeichnung für vier vielversprechende Forschungsarbeiten, die die Behandlung von bislang unheilbaren oder seltenen Krankheiten in Zukunft verbessern könnten.

Am Freitag, 8. Mai 2026, wurden auf dem Uni-Campus in Homburg die Preise der Calogero-Pagliarello-Stiftung verliehen. Dekan Prof. Dr. Matthias Hannig überreichte die Auszeichnungen im Namen der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes, an der die Stiftung angesiedelt ist. In diesem Jahr wurden erstmalig insgesamt vier Preise verliehen: der mit 3.000 Euro dotierte Calogero-Pagliarello-Forschungspreis und insgesamt drei mit jeweils 2.000 Euro dotierte Calogero-Pagliarello-Studienpreise. Alle Arbeiten bieten vielversprechende Ansätze, die die Behandlung von bislang unheilbaren oder seltenen Krankheiten in Zukunft verbessern könnten.

 

Die Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes in Homburg hat erneut die traditionellen Preise der Calogero-Pagliarello-Stiftung verliehen. Den Calogero-Pagliarello-Forschungspreis und das damit verbundene Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro erhielt PD Dr. rer. nat. Yuan Gu vom Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie. Die Wissenschaftlerin ist aktuell im Bereich der Chirurgischen Forschung und Molekularen Medizin tätig und forscht zu den Gefäßen, die Tumore mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen. Diese Versorgung zu unterbrechen, könnte das Tumorwachstum eindämmen. PD Dr. rer. nat. Yuan Gu hat verschiedene vielversprechende Wirkstoffe identifiziert, darunter natürliche Substanzen aus Pflanzen, bereits zugelassene Medikamente mit neuem Einsatzgebiet sowie kleine Ribonukleinsäure-Moleküle (microRNAs). Das bessere Verständnis der Wirkmechanismen dieser Substanzen kann dazu beitragen, gezielte Kombinationstherapien zu entwickeln. Ihr Ansatz zielt vor allem auf Krebsarten ab, die schnell wachsen und früh streuen, beispielsweise das sogenannte triple-negative Brust- und das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom.

 

Neben dem Forschungspreis wurden in diesem Jahr erstmalig insgesamt drei Calogero-Pagliarello-Studienpreise verliehen. Sie sind jeweils mit 2.000 Euro dotiert und zeichnen drei Wissenschaftler aus, die besondere Verdienste in der Erforschung bislang unheilbarer oder seltener Krankheiten erworben haben. Die Studienpreise gingen an:

 

Dr. med. Lukas Alexander Brust, Assistenzarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, untersuchte in seiner Doktorarbeit den Einfluss von Vitamin D auf Kopf-Hals-Tumore. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen erstmals umfassend, dass Vitamin D nicht nur direkt hemmend auf Tumorzellen wirkt, sondern auch die körpereigene Tumorabwehr unterstützt. Langfristig könnten diese Erkenntnisse dazu beitragen, neue Therapieansätze zu entwickeln – insbesondere in Kombination mit modernen Immuntherapien.

Dr. rer. nat. Christopher Carlein hat in seiner Promotionsarbeit am Centrum für Integrative Physiologie und Molekulare Medizin (CIPMM) in der Abteilung Biophysik die seltene Erkrankung „Barth-Syndrom und deren Auswirkungen auf den Blutzucker-Stoffwechsel, speziell die Veränderungen der zellulären Signalwege in der Bauchspeicheldrüse, untersucht. Die Regulation dieser Signalwege gibt vielversprechende Ansatzpunkte für zukünftige Therapien. 

Dr. med. Colya Englisch, naturwissenschaftlicher Doktorand am Institut für Experimentelle Ophthalmologie und Assistenzarzt in der Augenklinik Sulzbach, befasste sich in seiner Doktorarbeit, die er am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des UKS durchführte, mit der schweren Augeninfektion „Pseudomonas aeruginosa-Keratitis“. Diese Erkrankung betrifft die Hornhaut und kann im schlimmsten Fall zur Erblindung oder sogar zum Verlust des Auges führen. Dr. Englisch hat ein neues Trägersystem für Antibiotika untersucht, wobei der Wirkstoff länger am Auge verbleibt, und forscht an einer innovativen Kombinationstherapie mit einer neuen Enzym-hemmenden Wirkstoffklasse.

(weiter unten finden Sie ausführliche Erläuterungen zu allen vier Forschungsarbeiten)

 

Die Calogero Pagliarello-Stiftung

Die Calogero Pagliarello-Stiftung und die damit verbundenen Preise gehen zurück auf den selbstständigen Handwerker Calogero Pagliarello. 1907 in Sizilien geboren, lebte und arbeitete er zuerst in Italien und Frankreich, ließ sich später im saarländischen St. Ingbert nieder. Nach seinem Tod im Jahr 1991 floss annähernd sein gesamtes Vermögen in die nach ihm benannte Stiftung. Diese ist an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes in Homburg angesiedelt. Stiftungszweck ist es, Forschung und Studium auf dem Gebiet der Medizin zu fördern.

 

 

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Calogero-Pagliarello-Forschungspreis (Preisgeld 3.000 Euro) – PD Dr. rer. nat. Yuan Gu, Chirurgische Forschung und Molekulare Medizin

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit der Entwicklung neuer Therapieansätze für schwer behandelbare Krebserkrankungen. Insbesondere für den triple-negativen Brust- und den nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Diese Krebsarten wachsen oft sehr schnell, streuen früh im Körper und sprechen nur begrenzt auf bestehende Therapien an. Daher besteht ein großer Bedarf an neuen Behandlungsstrategien.

Ein Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf der gezielten Beeinflussung der Blutgefäße, die Tumore mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen. Wenn es gelingt, diese Versorgung zu unterbrechen, kann das Tumorwachstum gebremst werden. In diesem Zusammenhang hat die Forscherin verschiedene vielversprechende Wirkstoffe identifiziert, darunter natürliche Substanzen aus Pflanzen, bereits zugelassene Medikamente mit neuem Einsatzgebiet sowie kleine Ribonukleinsäure-Moleküle (microRNAs).

Ein wichtiger Fortschritt ihrer Arbeit ist das bessere Verständnis der Wirkmechanismen dieser Substanzen. So konnte sie zeigen, dass bestimmte Rezeptoren (die sogenannten Rezeptor-Tyrosinkinasen) der Zellen, die die Innenwand der Gefäße bilden (Endothelzellen) gezielt abgebaut werden können. Dadurch wird die Bildung neuer Blutgefäße im Tumor gehemmt. Die identifizierten Wirkstoffe und microRNA-basierten Ansätze wurden bereits erfolgreich in Tiermodellen getestet und zeigen vielversprechende Perspektiven für eine zukünftige Anwendung beim Menschen. Besonders hervorzuheben ist zudem die Entwicklung synergistischer Kombinationstherapien, also die gezielte Kombination verschiedener Wirkstoffe, die bestehende Resistenzmechanismen der Tumore überwinden könnten.

Insgesamt adressieren die Forschungsarbeiten von PD Dr. z Yuan Gu zentrale Herausforderungen bei der Behandlung schwer therapierbarer Krebserkrankungen und bilden eine wichtige Grundlage für zukünftige klinische Studien. Ziel ist es, die Therapiechancen für Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.

 

Calogero-Pagliarello-Studienpreis (Preisgeld 2.000 Euro) – Dr. med. Lukas Alexander Brust, Assistenzarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, UKS

Der Assistenzarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des UKS hat in seiner Doktorarbeit die Frage in den Mittelpunkt gestellt, ob Vitamin D einen Einfluss auf die Entstehung und das Wachstum von Kopf-Hals-Tumoren haben kann. Diese Tumorart gehört weltweit zu den häufigsten Krebsformen und ist oft mit einer ungünstigen Prognose sowie belastenden Therapien verbunden. Neue Behandlungsansätze werden daher dringend benötigt.

Frühere Studien hatten bereits Hinweise darauf geliefert, dass Vitamin D krebshemmende Eigenschaften besitzen könnte. Allerdings basierten diese Erkenntnisse überwiegend auf Laborversuchen mit isolierten Zellen. Ziel der Arbeit von Dr. Brust war es deshalb, diese Effekte unter realistischeren Bedingungen im lebenden Organismus zu untersuchen und besser zu verstehen, wie Vitamin D auf Tumorzellen und das Immunsystem wirkt.

Dazu wurden zum einen Experimente mit Tumorzellen im Labor durchgeführt. Hier zeigte sich, dass Vitamin D das Wachstum und die Beweglichkeit der Krebszellen deutlich hemmen kann. Zum anderen wurde ein Tiermodell eingesetzt, in dem die Entstehung von Tumoren in der Mundhöhle untersucht wurde. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass eine erhöhte Vitamin-D-Zufuhr die Anzahl der Tumoren signifikant reduziert.

Besonders relevant ist, dass Vitamin D auch das Immunsystem beeinflusst: Es stärkte gezielt diejenigen Immunzellen, die Tumoren bekämpfen, und reduzierte gleichzeitig hemmende Einflüsse auf die Immunabwehr. Diese doppelte Wirkung könnte erklären, warum Patientinnen und Patienten mit einem guten Vitamin-D-Status häufig eine bessere Prognose haben.

Die Ergebnisse der Arbeit zeigen erstmals umfassend, dass Vitamin D nicht nur direkt auf Tumorzellen wirkt, sondern auch die körpereigene Tumorabwehr unterstützt. Langfristig könnten diese Erkenntnisse dazu beitragen, neue Therapieansätze zu entwickeln – insbesondere in Kombination mit modernen Immuntherapien.

 

Calogero-Pagliarello-Studienpreis (Preisgeld 2.000 Euro) – Dr. rer. nat. Christopher Carlein, Center for Integrative Physiology and Molecular Medicine (CIPMM), Abteilung Biophysik

Seine Doktorarbeit ist am Center for Integrative Physiology and Molecular Medicine (CIPMM) in der Abteilung der Biophysik entstanden. In der Arbeit untersuchte Dr. Carlein die seltene Erkrankung Barth-Syndrom und deren Auswirkungen auf den Blutzucker-Stoffwechsel. Das Barth-Syndrom ist eine genetische Erkrankung, die die Mitochondrien – die sogenannten Kraftwerke der Zellen – betrifft und dadurch fast jede Zelle des Körpers beeinträchtigt. Bei Patientinnen und Patienten führt dieses Syndrom unter anderem zu Herzinsuffizienz, Skelettmuskelerkrankungen und Stoffwechselveränderungen. Die Auswirkungen auf das Herz aufgrund der klinischen Schwere der Herzmuskelerkrankung sind relativ gut erforscht. Über die Folgen für andere Organe wie die Bauchspeicheldrüse war bislang wenig bekannt. Die Bauchspeicheldrüse reguliert den Blutzuckerspiegel und ist dabei in besonderem Maße auf funktionierende Mitochondrien angewiesen. Mitochondriale Defekte stehen in direktem Zusammenhang mit der Entwicklung von Diabetes. Dr. Carlein konnte am Mausmodell zeigen, dass die Zellen der Bauchspeicheldrüse im Zusammenspiel mit dem systemischen Botenstoff FGF21, das auch bei Patienten erhöht ist, mehrere Anpassungen ihrer zellulären Signalwege vornehmen, um ihre normale Funktion aufrechtzuerhalten. Diese Signalwege sind vielversprechende Ansatzpunkte für zukünftige Therapien. Besonders weil gezeigt werden konnte, dass die Ausschüttung des Hormons Insulin (eine Hauptaufgabe der Bauchspeicheldrüse) eingeschränkt ist, wenn die Anpassungen der Signalwege ausbleiben.

 

Calogero-Pagliarello-Studienpreis (Preisgeld 2.000 Euro) – Dr. med. Colya Nicolas Aurel César Englisch, naturwissenschaftlicher Doktorand am Institut für Experimentelle Ophthalmologie und Assistenzarzt in der Augenklinik Sulzbach

In seiner Forschungsarbeit beschäftigt sich Dr. Englisch mit einer schweren Augeninfektion, der sogenannten Pseudomonas aeruginosa-Keratitis. Diese Erkrankung betrifft die Hornhaut und kann im schlimmsten Fall zur Erblindung oder sogar zum Verlust des Auges führen. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Antibiotika, die jedoch gerade zu Beginn der Erkrankung sehr häufig verabreicht werden müssen. Ein Grund dafür ist, dass ein Großteil des Wirkstoffs durch das Auge selbst, etwa über die Tränenflüssigkeit, schnell wieder ausgeschwemmt wird und nur wenig am eigentlichen Infektionsort ankommt.

Vor diesem Hintergrund hat er neue Therapieansätze untersucht, die die Wirksamkeit der Behandlung verbessern sollen. Im Mittelpunkt stand dabei ein neu entwickeltes Trägersystem für Antibiotika. Diese winzigen, biokompatiblen Partikel können besser an der Oberfläche der Hornhaut haften und sorgen so dafür, dass das Medikament länger am Auge verbleibt. In einem experimentellen Modell konnte der Mediziner zeigen, dass diese Mikroträger die bakterielle Belastung im Auge deutlich stärker reduzieren als eine herkömmliche Antibiotikabehandlung allein. Gleichzeitig fiel auch die entzündliche Reaktion des Körpers geringer aus, was auf eine insgesamt effektivere Therapie hindeutet.

Ein zweiter Schwerpunkt der Arbeit war die Untersuchung einer neuartigen Wirkstoffkategorie, die gezielt ein von den Bakterien produziertes Enzym (Elastase B) hemmt. Dieses Enzym spielt eine wichtige Rolle bei der Schädigung des Gewebes und der Entstehung der Entzündung. In Kombination mit einem etablierten Antibiotikum zeigte dieser Hemmstoff eine deutlich verbesserte Wirkung im Vergleich zur Standardtherapie allein: Die Infektion verlief milder, und sowohl die Anzahl der Bakterien als auch die Entzündungsreaktion im Auge waren reduziert.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass sich durch innovative Kombinationstherapien sowohl die Wirksamkeit als auch die Verträglichkeit der Behandlung schwerer Augeninfektionen verbessern lassen könnten. Langfristig könnten solche Ansätze dazu beitragen, die Therapie für Patientinnen und Patienten zu erleichtern und die Heilungschancen deutlich zu erhöhen.