Bluthochdruck
Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Patienten, die an einem unzureichend eingestellten Bluthochdruck leiden, haben ein deutlich erhöhtes Risiko einen Herzinfarkt, eine Herzschwäche, einen Schlaganfall oder eine Nierenerkrankung zu entwickeln. Daher sind eine frühzeitige Erkennung des Bluthochdruckes und eine gute Blutdruckeinstellung von enormer Bedeutung.
In unserer Ambulanz sind wir für alle Fragen rund um das Thema „Bluthochdruck“ ansprechbar, insbesondere, wenn Sie folgende Fragen mit „Ja“ beantworten können:
Besteht bei Ihnen der Verdacht auf eine sekundäre Ursache des Bluthochdruckes?
Leiden Sie an einer ausgeprägten Unverträglichkeit gegenüber den blutdrucksenkenden Medikamenten?
Ist Ihr Blutdruck trotz der Einnahme von verschiedensten Blutdruckmedikamenten noch unzureichend eingestellt?
Sekundäre Hypertonie Ursachen
In manchen Fällen kann eine potenziell reversible Ursache der Hypertonie vorliegen. Hierbei spricht man dann von einer sogenannten sekundären Form der Hypertonie. Tabelle 1 fasst diese sekundären Formen zusammen.
Sekundäre Ursachen der arteriellen Hypertonie
Primärer Hyperaldosteronismus
Nierenarterienstenose
Hyperthyreose
Schlafapnoesyndrom
Phäochromozytom
chronische Nierenerkrankung
Hyperparathyreoidismus
Aortenisthmusstenose
Hyperkortisolismus
Viel häufiger liegt allerdings eine primäre, essentielle Hypertonie vor. Hier findet man keine Ursache für den Blutdruck und es gilt, den Blutdruck suffizient medikamentös einzustellen.

Behandlungsmöglichkeiten
Trotz Gewichtsabnahme, gesunder Ernährung, Sport und einer Vielzahl wirksamer und gut verträglicher blutdrucksenkender Medikamente, können die von den Fachgesellschaften vorgeschriebenen Zielblutdruckwerte (< 140/90 mmHg) nicht immer erreicht werden. Neben einer rein medikamentösen Blutdruckbehandlung gibt es seit 2010 in Deutschland eine zusätzliche Behandlungsoption: die sogenannte „renale Denervation“. Als minimalinvasive Therapieoption bietet sie Patienten, die mit Ihrer Bluthochdrucktherapie nicht den Zielbereich erreichen, eine Alternative zur Behandlung einer therapieresistenten Hypertonie.
Renale Denervation
Legende
Verödungskatheter
Katheterspitze zur Energieabgabe
Nierennerven
Niere
Harnleiter
Nierenarterie
Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit und häufigste Todesursache in Deutschland. Viele Betroffene kennen ihr hohes Risiko für Herz-Kreislauf- Erkrankungen nicht und kommen oft erst dann zum Arzt oder ins Krankenhaus, wenn schon manifeste Gesundheitsschäden bestehen. Nur etwa 50% der Bluthochdruckerkrankungen werden entdeckt und nur 25% der Patienten werden adäquat behandelt. Eine besonders gefährliche Bluthochdruckform stellt die so genannte unkontrollierte Hypertonie dar. Die Ursachen einer unkontrollierten Hypertonie sind multifaktoriell bedingt. In den meisten Fällen lässt sich keine organische Ursache, wie zum Beispiel eine Hormonstörung durch Nebennierentumore, Überfunktionen der Schilddrüse, Verengungen der Nierenarterien, etc., feststellen. Pathophysiologisch kommt der Überaktivität des Stressnervensystems (Sympathikus) sowohl bei der Blutdrucksteigerung als auch bei der häufigen Entwicklung von Endorganschäden und Begleiterkrankungen – wie beispielsweise Herzschwäche, Herzinfarkte, Nierenschwäche, Diabetes, usw. – eine entscheidende Bedeutung zu. Die sympathischen Nierennervenfasern verbinden das Gehirn mit der Niere und legen sich netzartig um die Nierengefäße. Die Regulation des Stressnervensystem ist bei Patienten mit Bluthochdruck häufig gestört und die Niere schüttet vermehrt Stresshormone wie zum Beispiel Adrenalin aus. Das überaktive Stressnervensystem macht sich unter anderem durch Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Getriebenheit, Nervosität, Kopfschmerzen, etc. bemerkbar und wird von den Patienten häufig als sehr unangenehm empfunden. Aus tierexperimentellen und klinischen Untersuchungen ist bekannt, dass die Aktivität des gesamten Stressnervensystems maßgeblich von den Nierennervenfasern bestimmt wird. Dass hier mögliche invasive therapeutische Ansätze zur Behandlung der schweren arteriellen Hypertonie liegen ist schon lange bekannt. Mit der renalen Denervation steht uns ein minimal- invasives Verfahren zur selektiven Verödung dieser Stressnervenfasern – die so genannte interventionelle renale Sympathikusdenervation – zur Verfügung.
Über einen Zugang in der Leiste wird Ablationskatheter in das Nierengefäß eingebracht. Der Katheter wird an verschiedenen Punkten an der Gefäßwand platziert. Mithilfe des Denervationskatheters können entweder über die Abgabe von Radiofrequenz-Strom oder von Ultraschallwellen die Nierenarteriennerven verödet werden. Die Niere wird somit vom Stressnervensystem entkoppelt. Die gesamte Prozedur dauert etwa 30 Minuten und wird an beiden Nieren über einen Zugang in der Leiste durchgeführt. Während der Prozedur ist der Patient wach, erhält eine örtliche Betäubung im Bereich der Leiste. Da die zu verödenden Stressnervenfasern von Schmerzfasern begleitet werden, treten kurzzeitig und nur für die Dauer der Denervation (30 bis 60 Sekunden) Schmerzen auf. Der Patient erhält daher ein Schmerzmittel über die Vene. Bereits am Folgetag kann der Patient das Krankenhaus verlassen. Im Anschluss an den Eingriff erfolgt die regelmäßige Nachuntersuchung der Patienten.
Nach dem Eingriff kommt es bei ca. 75% der behandelten Patienten zu einer deutlichen Blutdrucksenkung. Langzeituntersuchungen zeigen, dass dieser Effekt über mehrere Jahre anhält. Neben der Abnahme des Blutdrucks berichten viele Patienten über ein verbessertes Schlafverhalten, eine Reduktion der inneren Unruhe sowie ein Rückgang der Kopfschmerzen. Ist die Blutdrucksenkung ausreichend, kann die Tabletteneinnahme, nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten unserer Klinik gegebenenfalls reduziert werden.
Der Eingriff ist als risikoarm anzusehen und vergleichbar mit denen einer anderen invasiven Gefäßuntersuchung – wie beispielsweise einer Herzkatheteruntersuchung. Mögliche Komplikationen ergeben sich unter anderem aus dem Zugang zum Gefäßsystem über die Leiste, der Gabe von Kontrastmitteln, der Platzierung des Katheters im Nierengefäß, etc. Aus den Untersuchungen der bisher behandelten Patienten weiß man, dass der Eingriff zu keinen bleibenden, erkennbaren Veränderungen an den Nierengefäßen führt. Dass die Niere auch ohne die Stressnervenfasern funktionstüchtig bleibt, ist seit der Durchführung von Nierentransplantationen gut bekannt. Trotz der durchtrennten Nervenfasern nach einer Transplantation nimmt die Spenderniere im Empfänger ihre Funktion auf.
Die Klinik für Innere Medizin III ist seit 2008 ein Europäisches Exzellenzzentrum für die Behandlung von Bluthochdruckerkrankungen und aktuell an mehreren internationalen Studien zur weiteren Erforschung des Verfahrens federführend beteiligt. In Homburg/ Saar wurden bislang die meisten Patienten weltweit behandelt.
Mit der interventionellen renalen Sympathikusdenervation steht ein vielversprechendes Verfahren zur Behandlung von Patienten mit unkontrollierten Bluthochdruckerkrankungen zur Verfügung.
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