Amputationsmedizin
Die moderne Amputationsmedizin verfolgt das Ziel, Funktionalität, Prothesenanbindung und Lebensqualität von Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern. Neben der operativen Technik stehen insbesondere innovative Verfahren zur Optimierung der Muskel-, Nerven- und Prothesenintegration im Fokus.
Bei der Endo-Exo-Prothetik wird ein Implantat direkt im Knochen verankert, das durch die Haut nach außen geführt wird und dort mit der Prothese verbunden ist. Dieses Verfahren ermöglicht eine stabile, direkte Kraftübertragung ohne Schaftprothese, verbessert die Propriozeption („Osseoperzeption“) und erhöht häufig den Tragekomfort sowie die Mobilität.
Beim PPNI werden durchtrennte Nervenenden in freie Muskeltransplantate eingebettet. Ziel ist es, Neuromenbildung zu verhindern und gleichzeitig eine biologische Schnittstelle zu schaffen, die elektrische Signale für die Prothesensteuerung nutzbar macht.
Das AMI rekonstruiert funktionelle Muskelpaare (Agonist und Antagonist), die normalerweise gemeinsam Bewegungen steuern. Dadurch entsteht eine physiologischere Rückkopplung zwischen Muskelaktivität und Gelenkbewegung, was die Prothesenkontrolle intuitiver und präziser macht.
Bei der TMR werden durchtrennte Nerven gezielt auf motorische Nerven umliegender Muskeln umgeleitet. Dies reduziert Phantomschmerzen und ermöglicht gleichzeitig die Nutzung der Muskelaktivität zur Steuerung moderner myoelektrischer Prothesen.
Die TSR ergänzt die TMR, indem sensible Nerven auf Hautareale umgeleitet werden. Dadurch können sensorische Rückmeldungen (z. B. Berührung) von der Prothese wahrgenommen werden, was die Integration der Prothese in das Körperschema verbessert.
Beim Nerve Capping werden durchtrennte Nervenenden mit speziellen biologischen oder synthetischen Kappen versorgt. Dies dient der Prävention von schmerzhaften Neuromen und kann postoperative Beschwerden sowie chronische Schmerzen reduzieren.